Der Internationale Deutschlehrerverband

DACHL-Seminare des IDV

 

Die DACHL-Länderkunde-Seminare des IDV: Integrierte Landeskunde der deutschsprachigen Länder Deutschland, Österreich, Schweiz, Liechtenstein

 

1. Was ist ein DACHL-Länderkundeseminar?

 a) Ziele der Länderkundeseminare aus der Sicht des IDV

Laut Art. 4 der Satzung des IDV ist eine seiner Aufgaben die Förderung der Kontakte und der Zusammenarbeit zwischen den Verbänden und deren Mitgliedern sowie die Unterstützung in ihrer beruflichen Tätigkeit und fachlichen Aus- und Fortbildung. Als eines der Mittel zur Erreichung dieses Zwecks betrachtet der IDV laut Art. 5 die Veranstaltung von Seminaren. Das allgemeine Ziel der DACHL-Seminare ist für den IDV somit,

  • Deutschlehrende aus den IDV–Mitgliedsverbänden zu multilateralen Länderkundeseminaren zwecks Weiterbildung zusammenbringen.

  • Der IDV versteht diese Seminare zudem als eine Massnahme zur Konkretisierung des von ihm initiierten und beförderten DACHL-Prinzips in der Landeskunde.

Unter den weiteren Zielen für den IDV seien ausdrücklich festgehalten:

  • eine möglichst nachhaltige Streuung des Erfahrungswissens über die deutschsprachigen Länder und der Erfahrung landeskundlicher Gegebenheiten und Zusammenhänge derselben innerhalb der Mitgliedsverbände des IDV;

  • die Erhöhung der Bindung der IDV-Mitgliedsverbände an die DACHL–Länder;

  • die Etablierung von verantwortlichen Kontaktpersonen für DACHL–Länderkunde in den IDV-Mitgliedsverbänden;

  • die Vernetzung der IDV–Verbandsmitglieder auch ausserhalb der Vorstandsebenen der Mitgliedsverbände;

  • die Teilnahme an den LK–Seminaren in Verbindung mit der Teilnahme an den IDT und Arbeitstreffen zur Reduzierung der Reisekosten.

 

b) Zielgruppe und Auswahlverfahren

Vorrang zur Seminarteilnahme haben Lehrkräfte, die in den IDV-Mitgliedsverbänden überdurchschnittlich aktiv mitarbeiten.

Beim Auswahlverfahren werden von den DLV in Absprache mit dem IDV-Vorstand und den organisierenden Stellen KandidatInnen benannt und angemeldet. Die definitive Auswahl trifft der IDV–Vorstand gemeinsam mit den organisierenden Stellen. Die IDV-Mitgliedsverbände bemühen sich, möglichst neue Personen für die Seminare zu gewinnen, um eine breite Streuung zu gewährleisten. Ein direkter Eingriff in die Entsendepolitik der Mitgliedsverbände wäre jedoch ein Eingriff in die inneren Angelegenheiten derselben und zählt nicht zur Strategie des IDV. Er gibt dazu zu bedenken, dass auch eine mehrmalige Befassung einer Person mit dem vielschichtigen Thema der vernetzten Landeskunde durchaus sinnvoll sein kann. Die wiederholte Teilnahme derselben Personen an den Seminaren sollte durch die abwechslungsreiche Gestaltung der Seminare von Seiten der Seminarleitung berücksichtigt werden.

c) Nachhaltigkeit

Die Seminare sollen den Transfer des Erfahrenen in die Mitgliedsverbände thematisieren und geeignete seminardidaktische Mittel anregen und bereitstellen, die diesen Transfer gewährleisten können. Dazu gehört auch die Berichterstattung der Nachfolgeaktivitäten der SeminarteilnehmerInnen, deren Veröffentlichung in den Verbandszeitschriften und auf der IDV–Leitseite. Eine Gesamtevaluation wird durch den IDV-Vorstand vorgenommen.

 

d) Veranstaltung und Finanzierung

Der IDV ist zur Veranstaltung und Finanzierung der DACHL-Länderkundeseminare auf Fachleute aus Partnerinstitutionen sowie auf Förderer in den deutschsprachigen Ländern angewiesen. Namentlich sind dies in Deutschland das Goethe-Institut München, in Österreich das Referat „Kultur und Sprache“ beim Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur (bm:bwk) Wien, und in der Schweiz mangels einer entsprechenden Institution der jeweilige Schweizer Experte bzw. Expertin beim IDV-Vorstand. Ohne ihre Bereitschaft zur grosszügigen Unterstützung und Mithilfe könnten diese Seminare, die zu einem wesentlichen Programmschwerpunkt der IDV-Aktivitäten geworden sind, gar nicht durchgeführt werden. Ein herzliches Dankeschön vom IDV!

 

2. Kurze Geschichte der DACHL-Länderkundeseminare

 a) Landeskunde und Fremdsprachenunterricht

Die Landeskunde befasst sich mit den geografischen, historischen, wirtschaftlichen, politischen, sozialen und kulturellen Aspekten eines Landes. Sie interessiert uns Fremdsprachenlehrkräfte als einen der Inhalte unseres Unterrichts:

„Landeskunde im Fremdsprachenunterricht ist ein Prinzip, das sich durch die Kombination von Sprachvermittlung und kultureller Information konkretisiert und durch besondere Aktivitäten über den Deutschunterricht hinaus wirken soll, z.B. durch Austausch und Begegnung.“

So formulierten es an einem Treffen im Oktober 1988 je drei Vertreter der Deutschlehrerverbände aus Österreich (A), der Bundesrepublik Deutschland (B), der Schweiz (C) und der Deutschen Demokratischen Republik (D) in ihren 1990 veröffentlichten „ABCD-Thesen zur Rolle der Landeskunde im Deutschunterricht“ [1].

 

b) Anregung der Kooperation

In diesen ABCD-Thesen wurden nicht nur weiterhin gültige allgemeine und didaktisch-methodische Grundsätze des Landeskunde-Unterrichts festgehalten, sondern bereits – wenn auch, so kurz nach der politischen Wende, noch etwas zaghaft – Möglichkeiten der Kooperation genannt, so These Nr. 22:

„Die Deutschlehrerverbände und der Internationale Deutschlehrerverband sollten es als eine ihrer vordringlichen Aufgaben betrachten, internationale Kooperation auf landeskundlichem Gebiet anzuregen, entsprechende Wünsche ihrer Mitglieder und Lehrbuchautoren weiterzugeben, bi- und multilaterale Fortbildung zu fördern sowie Fortbildungsveranstaltungen in den verschiedenen deutschsprachigen Ländern bekanntzugeben und terminlich koordinieren zu helfen.“

 

c) Das DACH-Konzept

Als eines der konkreten Kooperationsprojekte der DLV der nunmehr drei deutschsprachigen Länder wurde in der Folge das D-A-CH-Konzept[2] entwickelt, woraus eine Reihe von Kolloquien für Lehrerausbildner zur „Landeskunde der deutschsprachigen Länder“ entstand, die in Zusammenarbeit von Goethe-Institut (D), KulturKontakt (A) und Ledafids (CH) 1993-97 zweimal jährlich durchgeführt wurden. Da ab 1994 auch Liechtenstein dazukam, wurde das Kürzel dann zu DACHL erweitert. Obwohl diesen Kolloquien ein beachtlicher Erfolg beschieden war und sie im Rahmen einer im Auftrag des GI durchgeführten Evaluation uneingeschränkt zur Weiterführung empfohlen wurden, musste die Evaluatorin etwas später verwundert feststellen:

„Warum die Mittlerorganisationen in Deutschland, Österreich und der Schweiz sich entschlossen haben, ein solches Fortbildungsprojekt nicht fortzusetzen, und damit auch die bei den Teilnehmern erzeugten Erwartungen uneingelöst lassen, ist kaum nachvollziehbar.“ [3]

Zwar werden schon seit längerem auch Deutschland-Seminare vom Goethe-Institut und Österreichseminare vom Referat Kultur und Sprache durchgeführt. Da aber die internationale Kooperation dem IDV-Vorstand ein zentrales Anliegen ist, bat er nun die im IDV-Vorstand mitarbeitenden ExpertInnen der drei deutschsprachigen Länder um die Veranstaltung weiterer länderübergreifender DACHL-Seminare.

 

d) IDV-Länderkundeseminare

1999 wurde daraufhin das erste DACHL-Länderkundeseminar im Auftrag des IDV organisiert. Unter dem Titel „Von der erlebten zur erlebbaren Landeskunde“ wurden je 4 Seminartage in Innsbruck (A) und Konstanz (D) sowie je 1 Tag in Vaduz (FL) und St. Gallen (CH) durchgeführt. Im Anschluss daran fanden das Arbeitstreffen (AT) und die Vertreterversammlung (VV) in Frankfurt/Oder statt. Zwei Berichte von Seminarleitern sind hier nachzulesen und im IDV-Rundbrief 64 vom April 2000, S.8-10.

2001 fand unmittelbar vor der IDT in Luzern ein einwöchiges LK-Seminar in Feldkirch (A) und mit deutscher Beteiligung statt. 15 TeilnehmerInnen. Der Bericht des Seminarleiters ist hier nachzulesen.

2003 waren die Stationen des LK-Seminars Wien und Linz (A) sowie München und Freiburg (D), unmittelbar vor dem Arbeitstreffen und der Vollversammlung in Jena. 20 TeilnehmerInnen. Bericht der Seminarleitung und von zwei TN sind hier abzurufen.

2005 schliesslich gab es wieder ein Seminar auch mit Schweizer Beteiligung, diesmal mit je 5 Tagen in Freiburg (CH), Freiburg (D) und Graz (A), wo dann gleich die IDT anschloss. 20 TeilnehmerInnen. Berichte einiger TN und der Seminarleitung sowie die Seminarergebnisse und eine Übersicht über die Transferaktivitäten sind hier gespeichert.

[1] In: Fremdsprache Deutsch 3/1990, S. 60f; ÖDaF-Mitteilungen, 2/1990, S. 26-29; Deutsch als Fremdsprache 24 (1990), Heft 5, S. 306-308; on-line: http://www.dachl.net/nachlesen/abcdthesen1.html

[2] In: Theorie und Praxis. Österreichische Beiträge zu Deutsch als Fremdsprache. Serie A/Jahrbuch 1/1997, S. 17-34; on-line: http://www.dachl.net/nachlesen/dachkonzept.html

[3] Ehlers, Swantje: Fortbildung im DACH-Kontext: Ein innovatives Fortbildungskonzept. In: Theorie und Praxis. Österreichische Beiträge zu Deutsch als Fremdsprache. Serie A/Jahrbuch 4/2000, S. 96-105.